Autobranche in Gefahr

By | 18.5.2018

Kürzlich habe ich einen Blogpost hier veröffentlicht, der einigen übel aufgestoßen ist. Ich denke die Kernbotschaft ist nicht angekommen. Es geht um diesen Blogbeitrag.

In dem Beitrag geht es darum, warum wir (ich und meine Frau) uns erneut für einen Toyota Prius, ein Hybridfahrzeug, entschieden haben. Außerdem geht es darum, warum wir keinen Diesel kaufen, und wie wir als Deutschland uns gerade eine Schlüsselindustrie zerstören.

Ich möchte meine Besorgnis deshalb klarer zum Ausdruck bringen: Ich denke, das im Rahmen des Dieselskandals eine Branche, einschließlich Zulieferer und Dienstleister, eine Wirtschaftskrise auslösen werden. Es stehen zehntausende, vielleicht hunderttausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Die alte, wie auch die „neue“, Bundesregierung will es aussitzen. Die Wirtschaft hat hier jedoch schon reagiert. Und die „Wirtschaft“ sind (auch) die Kunden. Im Sommer 2015 wurden noch 43% der Neufahrzeuge mit Dieselmotor ausgeliefert. Im März 2018 waren es nur noch 17,8%. Bricht man die Statistik auf die Ballungsgebiete wie München, Stuttgart oder Düsseldorf herunter, so liegen die Bestellungen von Dieselfahrzeugen bei knapp über 13%. Das kann man hier nochmal nachlesen.

Der Weltweite Export ist ebenfalls in Bedrängnis. Ganz vorne mit dabei sind die USA und China. Das deutsche Hersteller bescheißen hat sich herumgesprochen. Egal was man selbst für eine Meinung hat: Wenn der Export einbricht, bedroht das unseren Wohlstand. Der Ruf deutscher Qualitätsfahrzeuge ist ruiniert. Und das Schlimmste daran ist, das die Branche nicht bereit ist, umzudenken oder nachzubessern. Nein, sie beharrt darauf betrügen zu dürfen – und CDU / CSU wie auch SPD befürworten das auch noch, indem sie ihre „schützende Hand“ über die Branche halten.

2015 hat die VW-Aktie 22% an Wert verloren. Oder anders gesagt: 16 Milliarden Euro sind weg. Das kann man hier nachlesen. Weiter steht dort auch, das noch Milliardenstrafen auf den Konzern zukommen. 2016 wurden laut ntv weitere 30 Millionen€ Strafe fällig, nachdem VW irreführende Werbung nachgewiesen wurde. Kurz zuvor hatte VW in einer anderen Sache im gleichen Land schon mal 14 Millionen € Strafe bezahlt.

Kommen wir zurück in die Gegenwart. In Hamburg sind bereits einige Straßen für Dieselfahrzeuge gesperrt. In Stuttgart gilt bereits an immer mehr Tagen ein Fahrverbot für Diesel. In München wird das Fahrverbot schon diskutiert. Es wird kommen. Da bin ich sicher. Okay, die Verbote werden derzeit nicht kontrolliert (wie auch?), aber es hat zweifellos eine Signalwirkung für den Autokunden.

Der Kunde reagiert. Er kauft deutlich weniger Dieselfahrzeuge. Stattdessen erleben eAutos und Hybridfahrzeuge einen Aufschwung. Die Zulassungszahlen verdoppeln sich z.T. von Monat zu Monat. Blöd nur, das deutsche Hersteller hier nichts anzubieten haben. Zumindest nichts, was man ernst nehmen könnte. Tesla, Renault und Toyota sind hier jene Unternehmen, welche die Nase ganz weit vorn haben. Hyundai hat vor kurzem den neuen Ioniq vorgestellt – und holt auf.

Deutsche Hersteller haben nichts anzubieten. Naja, jetzt kommt man vielleicht auf den i3 von BMW. Da sind die Kundenberichte im Netz aber sehr negativ. Das Auto kostet rund 35.000€ – viel zu teuer -, und bei jeder Aufladung verliert man Batteriekapazität. Bei 100.000km Laufleistung sprechen viele Besitzer von bis 30% Kapazitätseinbußen. Bei den ausländischen Marken hat man keinerlei Kapazitätseinbußen. Das ist Fakt.

Audi ist mit seinem A3 in der Hybridvariante gescheitert. Und die neue Elektrovariante, welche für Ende 2018 angekündigt wurde, wird ebenfalls scheitern. Warum? Weil man nicht 3 Jahre lang das Elektroauto schlechtreden kann, und dann plötzlich selbst eines verkaufen will. Unabhängig davon, ob die technischen Versprechen eingehalten werden können oder nicht.

Deutschland ist nicht innovativ. Deutschland kann weder Hybrid- noch Elektroauto.

Ein weiteres Problem, was bislang noch totgeschwiegen wird, besteht darin, das der Dieselverbrauch sinkt. Langsam. Ja. Aber er sinkt. Und wer sich etwas schlau macht, der findet zügig heraus, das Diesel letztlich ein Abfallprodukt der Kunststoffproduktion ist. Das heißt: Wer Kunststoffe produziert, produziert in der Ölraffinerie auch immer Benzin und Diesel. Bis heute hat keiner die Frage beantwortet, was mit dem Diesel passieren soll, der künftig nicht mehr durch Dieselfahrzeuge verbraucht wird.

Was auch keiner sagt, außer mir: Es gibt Wirtschaftsbereiche, bei denen Benzin- und Elektrofahrzeuge gar nicht benutzt werden dürfen. Dazu gehören u.a. Hafenanlagen, in denen aus Sicherheitsgründen nur Dieselgetriebene Fahrzeuge benutzt werden dürfen. Vergleichbares gilt bei Fahrzeugen für den Bau. Auch sind nach wie vor zahlreiche Diesellokomotiven im Einsatz. Für Städte gilt auch, das Busse nach wie vor Diesel nutzen werden, weil man die Busflotte gar nicht von heute auf morgen auf Elektro umstellen kann. Einfach den Diesel sofort zu verbieten, wie die Grünen das ja gerne hätten, geht also gar nicht.

Was ist zu tun? Was ist richtig? Richtig ist, das die betrogenen Kunden entschädigt werden müssen. Hier muss mindestens die Abgasreinigung von den Herstellern nachgerüstet werden. Die Messverfahren müssen realistisch sein. Diese Pseudotests müssen aufhören. Die Elektroautos müssen zweifellos weiter gefördert werden, indem das Ladenetz ausgebaut wird. eAutos müssen einen Teil der Verbrennungsmotoren ablösen – aber nicht zu 100% ersetzen. Beispielsweise reicht es aus, wenn Zweitautos Elektroautos werden. Für den täglichen Bedarf sind sie schon heute ausreichend. Das gilt natürlich nur dann, wenn wirklich ein Zweitwagen angeschafft wird.

Deutschland setzt einen sehr wichtigen Wirtschaftszweig aufs Spiel. Ganz vorne steht das bewusste Managerversagen – nicht nur bei VW. Dicht gefolgt von den unsinnigen politischen Entscheidungen dazu. Union (CDU / CSU) und SPD wollen das Ganze einfach aussitzen. Das dies nicht funktioniert sieht man an VW recht deutlich.

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