Amazon: Was wäre wenn …?

By | 23.12.2013

Ich bin ja kürzlich schon mal auf den Onlinehändler Amazon in Bezug auf den Streik, der von Verdi ausgeht, eingegangen. Aber wer mich besser kennt, der weiß auch, das ich gerne so genau wie möglich hinsehe. Denn oftmals liegen die wichtigen Details nicht vor, um eine rationale Meinung zu haben.

Eines dieser Details ist die Frage nach dem Ist-Lohn und nach dem Tariflohn, der angestrebt wird. Dazu muss man unbedingt wissen, das derzeit an keinem Amazon-Standort ein Tarifvertrag gilt. Und aus diesem Grund muss man die Sache auch differenziert betrachten. Pauschalierungen sind hier fehl am Platz und verzerren das Bild.

Laut einem Pressebericht auf heise.de sieht die Sache im Detail jetzt wie folgt aus:

Bad Hersfeld

Der Einstiegslohn bei Amazon in Bad Hersfeld beträgt 10,01€ pro Stunde. Brutto versteht sich. Alle weiteren Beträge sind ebenfalls Bruttobeträge. Ab dem zweiten Beschäftigungsjahr beträgt der Lohn 11,59€/h. Ab dem dritten Jahr 11,71€/h.

Nach dem Tarifvertrag des Versandhandels beträgt der Lohn in den ersten drei Jahren durchgängig 11,77€/h. Nach dem Tarif der Logistikbranche beträgt der Lohn 10,93€/h.

Leipzig

In Leipzig sieht die Sache anders aus. Hier beträgt der Einstiegslohn bei Amazon 9,55€/h im ersten Jahr. Im zweiten Beschäftigungsjahr beträgt der Stundenlohn 10,47€ und im dritten Jahr 10,99€/h.

Würde es nach dem Tariflohn des Versandhandels gehen, so wäre der Lohn in den ersten Jahren 11,39€/h. Nach den Vereinbarungen in der Logistikbranche liegt der Lohn im ersten Jahr bei 9,17€/h und in den beiden Folgejahren bei 9,61€/h.

Fazit:

Die Frage ist ja immer, wie ein gerechter Lohn aussieht. Und wer auch hier in die Details geht, der merkt bald, das es so etwas wie einen „fairen Lohn“ nicht gibt. Schon allein deshalb, weil jeder andere Maßstäbe ansetzt.

Selbst der Mindestlohn von 8,50€/h, der erst 2017 vielleicht kommt, ist ein großes Streitthema. Und nachdem Deutschland jetzt einen mächtigen Linksruck bekommen hat, sollen überall Einheitslöhne bezahlt werden – ginge es nach Gewerkschaften.

Letztlich sind die Streiks bei Amazon vollkommen zweck- und sinnlos. Und diese Meinung habe nicht nur ich. Immerhin haben nur angeblich 1.100 Mitarbeiter von Amazon an den Streiks teilgenommen. Das sind etwas über 10% der Belegschaft. Etwas lächerlich für Verdi, wenn man mich fragt. Im Umkehrschluss sind rund 90% zufrieden. Und die haben ihre Gründe dafür.

Tatsache ist, das kein Paket zu spät kommt. Denn für das Weihnachtsgeschäft hat Amazon tausende Saisonkräfte eingestellt. Und ob da jetzt 1.100 Leute mal nix tun, fällt zwar schon ins Gewicht. Aber ich behaupte mal, das dieser Ausfall von den anderen Standorten aufgefangen wird – durch Mehrarbeit versteht sich …