Sind Selbsthilfegruppen noch Zeitgemäß?

Von | 12.7.2008

Bis vor einigen Jahren war es allgemein üblich bei Krankheiten oder psychischen Problemen Selbsthilfegruppen aufzusuchen und sich selbst und andere zu bemitleiden. Jedem tat es gut, wenn er sich mal mit „Seinesgleichen“ austauschen und auskotzen konnte.

Aber diese Form der Kommunikation hat einen ganz entscheidenden Nachteil: Die Zeit! Im besten Falle trifft sich eine reale Selbsthilfegruppe einmal die Woche. Andere treffen sich sogar nur einmal im Monat. Elterngruppen machen in den Ferien zusätzlich noch Pause.Wenn es wirklich mal „gebrannt“ hat, war keiner da. Und bis das nächste Treffen endlich stattfindet, ist das sprichwörtliche Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Das Internet bietet der Selbsthilfe – oder viel mehr der gegenseitigen Unterstützung – eine echte Alternative. Im World Wide Web (WWW) gibt es einen längst unüberschaubaren Forenwald zu allen Themen. Elterncommunitys erfreuen sich ebenso über steigende Besucherzahlen wie Internetforen zum Thema „Paranormale Phänomene“.

Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Ich bin nicht mehr zeitlich gebunden. Wenn etwas Dringendes anliegt, finde ich ein offenes Ohr – für alles in allen Fällen und alles zu meiner Zeit.

Aber, es gibt natürlich einen Aspekt, den das Internet (noch) nicht erfüllt. Das zwischenmenschliche. Es zeigt nicht das nonverbale. Die Körpersprache und das „zwischen den Zeilen richtig(!) lesen“ kann im Internet nicht stattfinden.

Aber diesem Contra zum Trotze: ich bin in jedem Forum und in jedem Chat soweit anonym wie ich es wünsche. Ich zeige das was ich will und ich sage das von mir, was die Öffentlichkeit wissen darf – bzw. muss – um mir Hilfe leisten zu können.

Zu Eltern-Zentrum

Ein Gedanke zu „Sind Selbsthilfegruppen noch Zeitgemäß?

  1. A-R-N-O@web.de'Birgit

    Hallo,

    dieser Beitrag hat mich veranlasst, mich hier zu registrieren.
    Ich als Alkoholikerin habe es auch immer erschwerend empfunden, wenn sich meine reale Selbsthilfegruppe nur einmal die Woche getroffen hat.
    Sicherlich könnte man jeden Tag, sogar mehrmals, eine andere SHG aufsuchen, aber für mich es es wichtig, einem Personenkreis mein Leben zu erzählen und miich so auszutauschen.
    In Onlineforen habe ich die Möglichkeit, mich rund um die Uhr auszutauschen und die Erfahrungen sind so viel, wie sie eine reale SHG fast nie bieten kann.

    Ich bin dankbar, das ich meine Onlineselbsthilfegruppe habe.

    Birgit

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