Piraten zwischen Anspruch und Wirklichkeit

In einem Beitrag der bayrischen Piratenpartei vom 7.8.2013 macht der Autor Bruno Kramm darauf aufmerksam, das Teilen das neue Haben sei. Er spricht in dem Artikel über erforderliche Reformen des Urheberrechts.

Zunächst hört es sich auch ganz gut an. So soll die GEMA grundlegend reformiert, Urheber gestärkt und großartige Projekte unterstützt werden. Gleichzeitig werden die Schutzfristen und Schutzrechte jedoch scharf kritisiert, in dem er behauptet, sie seien nicht mehr praktikabel und würden zu „kulturellem Verlust“ führen.

Um das nochmal ganz klar hervorzuheben: Einerseits verlangt er die Stärkung der Urheber und gleichzeitig will er deren Rechte beschneiden. Ein krasser Widerspruch! Eine Erklärung dafür bleibt er schuldig.

Aber der Pirat geht noch weiter. Denn er erklärt außerdem das die kostenpflichtigen Angebote der Musikindustrie einen Zuwachs von 38 Prozent erreicht hätten. Er will damit belegen, das kostenpflichtige Angebote im Netz grundsätzlich möglich sind und ein großes Potential hätten.

Was er in Wirklichkeit meint steht aber viel weiter unten. Denn Bruno Kramm spricht sich de facto gegen das Urheberrecht im Internet aus. So steht in dem Beitrag wörtlich zu lesen:

Zitat:

„Wir müssen dafür sorgen, dass UrhR im Internet unwichtig wird. Wir brauchen eine Kultur der offenen Bildung und ein Menschenbild, das auf ein faires Miteinander statt Restriktion baut.“

Zitat Ende

Ohne dem Urheberrecht, kann es unmöglich kostenpflichtige Angebote geben. Denn wenn ein Urheber nach Schaffung seines Werkes (z.B. Texte, Bilder, Videos, Musik, etc.) seine Rechte daran umgehend verliert, kann er daraus auch kein Geschäft machen.

Nehme ich jetzt die Überschrift in den Kontext, so fordert Bruno Kramm / die Piratenpartei, das im Netz grundsätzlich alles kostenlos, frei verfügbar und von jedem Nutzbar sein muss.

Die Realität ist aber eine ganz andere. So schrieb ich auf der Facebooksite der bayrischen Piraten, das der Trend gerade in Richtung Paywall (also kostenpflichtige Angebote) geht. Und dies steht im Widerspruch zu dem, was er fordere. Ich sagte auch, das kleinere Websites, wie z.B. www.adhs-zentrum.de unter seinen Vorstellungen kostenlos bleiben müsse. Nutzen dürften die Inhalte alle – nur der Urheber geht leer aus.

Darauf antwortete er, das gerade Themenseiten durch eine Mischung aus kostenlosem und kostenpflichtigen Inhalten gute Ergebnisse erzielen könnten.

Ich machte ihn dann in meiner Antwort darauf aufmerksam, das er sich widerspricht, wenn er einerseits fordert, es müsse alles kostenlos sein, und dann vorschlägt einen Teil kostenpflichtig anzubieten.

Außerdem habe ich ihn darauf hingewiesen, das Micropaymentdienste an so kleinen Websites kein Interesse haben, da der Umsatz zu gering ist. Ich weiß das, weil ich mich darum schon mal gekümmert habe.

Eine weitere Antwort bekam ich natürlich nicht.

Das die Piraten sich in der Sache Urheberrecht widersprechen ist auch nicht wirklich neu. Da gab es den Skandal um Julia Schramm, an die sich bestimmt noch viele erinnern können.