Tempolimit durch Autohersteller

Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahren immer wieder versucht, Tempolimits umzusetzen. Für Tempolimits sprechen vor allem zwei Gründe:

  • Umweltschutz
  • Fahrsicherheit

Beide Argumente hören deutsche Autofahrer nicht so gerne. Und deshalb sind entsprechende gesetzliche Bestrebungen stets gescheitert. Es will sich niemand verbieten lassen, wie stark er die Umwelt verschmutzt. Und auf Sicherheit wurde schon immer gepfiffen, wenn es um den Spaßfaktor geht.

Jetzt ist es aber so, das der Gesetzgeber kein Mitspracherecht mehr hat. Die Wirtschaft hebelt den Gesetzgeber aus. Und als ich heute das erste mal davon hörte, das die Autohersteller ihre eigenen Tempolimits umsetzen wollen, musste ich so lachen, das ich fast vom Klo gefallen bin.

Gegenwärtig steht Renault heftig in der Kritik, weil der französische Autobauer offenbar ein Tempolimit von 180km/h bei seinen Neufahrzeugen einführen will. Ungeachtet dessen, dass das Auto schneller fahren könnte – rein technisch betrachtet.

Die wütende Meute hat schon laut aufgeschrien. Man werde keinen Renault kaufen. Weil man lasse sich nicht bevormunden. Funfact: Jene, die am lautesten schreien, fahren gar keinen Renault, und haben nach eigenen Aussagen noch nie einen besessen.

Aber es ist natürlich richtig, das man sich empört. Wir sind in Deutschland. Wir wollen aus dem Auspuff rausrotzen, was wir wollen und so viel wir wollen. Also kaufen wir nur noch deutsche Autos. Das stärkt auch die Inlandnachfrage, und schützt somit deutsche Arbeitsplätze.

Wir erleben derzeit in der Automobilindustrie ein umdenken, welches nicht von den Kunden ausgeht, sondern von den Herstellern selbst. So haben bereits viele Autobauer angekündigt, das es ein technisches Tempolimit geben wird, um vor allem die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen. Auch deutsche Autobauer sind mit dabei. Klar, jeder Hersteller legt jetzt sein eigenes Tempolimit fest.

Aber offen gesagt, kann man sowas nur begrüßen. Und mal ganz ehrlich: Reichen 180 km/h nicht? Nur um das nochmal klar zu sagen: Deutsche Autobahnen sind für Geschwindigkeiten in diesem Bereich gar nicht mehr ausgelegt. Spurrillen, Straßenschäden, Brückenschäden, … wer auf Deutschlands Autobahnen mit 130 km/h fährt – oder schneller -, der sichert sich seine ganz persönliche Raserfreiheit. Das mag so stimmen. Aber man spielt dann auch mit dem eigenen Leben und dem Leben anderer Verkehrsteilnehmer.

Wenn wenigstens die Straßen für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt wären, dann würde das erheblich zur Sicherheit beitragen – und man könnte auf technische Tempolimits verzichten. Fakt ist aber leider: Man darf sich hier nicht über die Autobauer beschweren, sondern über die äußerst schlechte Politik in Bezug auf Fernstraßen.

Glücklicherweise haben wir gerade dieses Jahr Bundestagswahl. Hier hat jeder die Chance CDU / CSU und SPD mal saftig eine Watschen zu geben. Allein für die schlechten Autobahnen ist es nur gerecht, wenn beide Parteien aus der Regierungsverantwortung rausgenommen werden – durch den Wähler.

Was ich übrigens an der laufenden Diskussion und Empörung wirklich lächerlich finde, ist, das man den Renault Zoe als ersten Vorstoß des französischen Autobauers benutzt, und das Argument ins Feld führt, dies sei das erste Auto von Renault, das dieses technische Tempolimit dort schon umgesetzt worden sei.

Der Renault Zoe ist ein für die Stadt konzipiertes Elektroauto. Es war nie dafür vorgesehen, das man mit diesem Auto 1.000km quer durch Deutschland mit 250km/h fetzen können muss. Ich kaufe auch keinen Ferarri um mich dann über den fehlenden Stauraum zu beschweren.

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