Klarnamenpflicht

By | 12.1.2020

Warum sind wir gegen eine Klarnamenpflicht im Internet? Natürlich geht es primär um Datenschutz. Stimmt. Datenschutz ist ein hohes Gut. Meinen wir. Aber ist es nicht so, dass wir Datenschutz aus tiefstem Herzen ablehnen? Einfach, weil es praktisch ist. Weil wir uns eigentlich darüber gar keine Gedanken machen wollen?

Wir geben doch auf diversen Websites freiwillig jede Menge Daten von uns bekannt. Einschließlich Anschrift und Kreditkarte. Letztes Jahr gab es eine Aktion bei Amazon, welche dem Kunden 5,-€ geschenkt hat, wenn man ein Kinderprofil angelegt hat. Das kann man hier nachlesen. Viele haben das bereitwillig gemacht. Datenschutz?

Jeder postet unzählige private Bilder auf >keine Ahnung wie vielen Websites<. Und die meisten Profile sind doch öffentlich zugänglich. Man sammelt fleißig Likes und stellt sich im Web als totaler Überflieger dar, bei dem alles super läuft. Auch, wenn es gar nicht so super läuft, weil es gerade vielleicht total Scheiße ist. Trotzdem wird vieles einfach gepostet. Datenschutz?

Eltern posten sogar Bilder ihrer Kinder. Alles ohne mitzudenken. Vom Töpfchentraining bis zur Einschulung … und Sachen, da fragt man sich, ob man den Eltern nicht direkt das Sorgerecht entziehen sollte – kommt alles ins Netz. Alles. Datenschutz?

Jeder schimpft auf Facebook, Google, …. und bei den meisten ist Google die Startseite, und Facebook die erste besuchte Website nach dem Browserstart. Keiner benutzt Qwant, nebenan.de …. keiner. Datenschutz?

Das Unternehmen Payback kann anhand der Einkäufe feststellen, wer Kinder hat, und wie alt diese sind. Die wissen auch, ob man eher auf Vitaminpräparate steht, oder sich wirklich aus eigenem Antrieb gesund ernährt. Die können aufgrund der Einkäufe sogar einschätzen, wer welches ungefähre Monatseinkommen hat. Payback-Punkte sammelt heute aber fast jeder. Datenschutz?

Und jetzt kommen hier einige um die Ecke, und fordern, dass es keine Klarnamenpflicht im Netz geben darf? Wegen Datenschutz? Wegen „Persönlichkeitsrechten“?

Jeder der etwas über mich herausfinden will, der wird feststellen, das ich ein aktives Mitglied bei der FDP bin. Ich stehe dazu. Wenn jetzt jemand ein Nazi ist, und Konzentrationslager für Flüchtlinge fordert, so wie in diversen Parteien (nicht so in der FDP), dann sollen diese Leute doch offen für ihre politische Gesinnung stehen.

Und wenn jemand Grün wählt, und mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, dann ist das genau so in Ordnung, weil der das so will. Und das ist doch okay. Und der soll doch auch im Netz dazu stehen können und dürfen. Mit seinem Namen!

Deutschland ist ein freies Land. Noch. Und hier darf jeder seine Meinung haben, und öffentlich kund tun. Nichts anderes mache ich hier gerade. Jetzt und hier, mit diesem Blogbeitrag. Und ich stehe dazu mit meinem Namen, und sogar mit meiner Adresse.

Niemand muss meine Meinung teilen. Keiner muss das gut finden. Jeder darf mein Gedankengut ablehnen. Vielleicht stehe ich hier und heute völlig allein mit meiner Meinung da. Das ist okay. Dann ist das so.

Ich finde es lächerlich, die Klarnamenpflicht zu geißeln, und gleichzeitig geben die Leutz all ihre Daten bereitwillig heraus.

Christian Tietgen

Christian Tietgen