Was geht, was geht nicht

By | 28.7.2019
Hybridfähre

Zwei Wochen Urlaub zeigen, was bei uns alles schief läuft. Jetzt ist der eine oder andere vielleicht gelangweilt, aber passt mal auf …:

Auf dem Bild sieht man eine Autofähre der Scandlines. Scandlines hat – vereinfacht gesagt -, den Toyota Prius nachgebaut, und den dann mit einer Abgasreinigungsanlage erweitert. Man hat in Deutschland schon immer gesagt, dass die Hybride keinen Sinn hätten. Die Japaner haben es einfach gemacht, Scandlines hat die Idee weiterentwickelt.

Die eigene Meinung ist jetzt irrelevant. Scandlines hat auch mehr als nur eine Hybridfähre im Einsatz. Die sparen Geld, Rohstoffe und schonen die Umwelt / das Klima. In Teilen wurde das von der EU mitfinanziert. Tolle Sache diese EU. 🙂

Nächste Station: Kopenhagen / Dänemark. Für rund 800.000 Einwohner stehen über 1.000 Ladestationen zur Verfügung. Zum Vergleich: München hat um die 1,5 Mio. Einwohner. Die kommen nicht mal auf 200. Und je nach Ladekartenaufschlüsselung ist es eigentlich noch weniger.

Bei uns hat auch jede Region seine eigene Ladekarte. Vielleicht hat man die von NewMotion, dann ist es nicht ganz so dramatisch. Aber in Skandinavien zahle ich den Ladestrom mit Kreditkarte, Paypal, ApplePay, … einfach bezahlen, mit was ich will. Ohne viel Extragedöns. Einfach machen.

In Skandinavien … wir brauchten Infos. Schau einfach im Internet nach. Einfach das Handy rausholen, und los. Überall LTE. Du stehst 50km vom nächsten Haus entfernt. Mitten im Wald. Du hast aber LTE. Kein Thema. Fahr mal durch München und versuche zu telefonieren. Geht nicht. Kannste vergessen.

Oder so: In Deutschland fährt man an die Tanke, um zu tanken. Dann muss man sich die Nummer der Zapfsäule merken, und dem Typen am Tresen in der Tanke die Nummer sagen. Kann der Deutsch, dann labert er dich voll. Will ich noch ein Kaffee, ein vertrocknetes Brötchen oder das Auto waschen? Ne, nur tanken und bezahlen will ich. Ob ich nicht ne Flasche Wein mitnehmen, oder das kostenpflichtige Scheißhaus benutzen will, möchte er wissen. Nein, ich will tanken und bezahlen. Und wenn Du dann hinter einem stehst, dem Du gern ein Duschgel kaufen möchtest, kannste das nicht. Gibt nur noch Zahnbürsten.

Oben geht das anders: Kreditkarte rein, PIN eingeben, tanken, weiter fahren. Kein Thema.

Überhaupt ist „Kreditkarte“ ein schönes Stichwort. Skandinavien hat eine gemeinsame Währung. Sie heißt Visa und wird überall akzeptiert. Kein Bankautomat suchen, kein Kleingeldgefummel. Das gibt es da nicht. Dein Einkauf? Kreditkarte. Dein Parkticket? Mit App oder Kreditkarte. Die Tour mit der Pferdekutsche durch den Wald? Kreditkarte. Zwei Wochen ohne Bargeld. Das nenne ich Urlaub!

In Skandinavien gibt es aber noch andere tolle Sachen. Da gibt’s Unternehmen, die haben offen wann sie wollen. Von 7:00 bis 22:00 einkaufen an allen Tagen. Kein Problem. Kein Gejaule. Die machen das einfach. Andere machen das nicht. Die haben am Sonntag dicht. Aber das liegt daran, ob die Unternehmen offen haben wollen, oder nicht.

Die haben auch eine tolle Einstellung zum Straßenbau. Den Prius fährt man dort mit 3,7 Litern auf 100km. Auf Deutschlands Feldwegen ist das undenkbar.

Und dann, dann ist der Urlaub vorbei. Als erstes hat man kein Internet mehr. Danach sucht man einen Geldautomaten, nur um festzustellen, dass selbiger kaputt ist. Der Laden nebenan hat heute dicht. Und dein Parkticket kannste nicht bezahlen, weil Du kein Kleingeld hast.

Das streng konservative Deutschland, einstmals das Land der Dichter und Denker, hat den Anschluss längst verloren. Als Deutscher komme ich mir vor, wie ein Neandertaler. Und der ist bekanntlich ausgestorben, weil er sich nicht mehr weiterentwickelt hat.