Bitte Lächeln für #FridaysForFuture in München

By | 23.3.2019

Die stets gut informierte Presse hat uns das Bild in den Kopf gesetzt, dass bei den Freitagsdemos von #FridaysForFuture tausende Schülerinnen und Schüler unerlaubt dem Unterricht fern bleiben, um für mehr Umwelt- und Klimaschutz zu demonstrieren.

Zur gleichen Zeit wird in kommunalen Gremien darüber gesprochen, wie mit den Folgen des Klimawandels umgegangen werden soll. Es geht nur noch darum, den Klimawandel zu managen. Von Aufhalten spricht in der Politik schon längst keiner mehr. Einfach weil der Zug abgefahren ist. Die vermeintlichen #Profis von denen FDP-Chef Christian Lindner letzte Woche noch sprach, haben in den letzten Jahrzehnten schlicht versagt.

Die wirklichen Profis standen gestern auf dem Marienplatz in München, und haben für mehr Umwelt- und Klimaschutz demonstriert – weil ihre Vorgänger kein Interesse hatten, einen guten Job zu machen.

Was wirklich los war, wollte ich mit eigenen Augen sehen. Ich erwartete volle S-Bahnen mit lauter halbwüchsigen kleinen Demonstranten, die mit ihrer Schultasche aus der Schule direkt zur Demo fahren. In Wirklichkeit war da nix. Vielleicht alles Zuspätkommer?

Ein Streifzug durch die U-Bahn folgte. Auch hier war nur der normale Geschäftsbetrieb zu beobachten. Keine Sonderzüge, keine kleinen Demonstranten. Umweltaktivisten waren nie weiter weg vom Marienplatz, als an diesem Tag.

In 5 Minuten, dann isses 11:00Uhr, geht’s los. Und außer einem alten LKW, der jede Menge Abgase und Feinstaub verursacht, ist nur eine Handvoll Leute da. Studenten. Es gab mehr Polizei, als Demonstranten. Ich fürchtete schon am falschen Ort zu sein.

Um 10:56Uhr wurde der Marienplatz plötzlich voll. Und alle blieben stehen. Allerdings kaum Kinder und Jugendliche. Okay, also immerhin war der Marienplatz jetzt voll, und die Demo kann loslegen.

11:00 Uhr sollte es dann losgehen. Ging’s auch. Mit dem Schäfflertanz. (Wer München kennt, weiß was ich meine – der Rest hat jetzt Pech oder Google).

Als die Schäffler und ihre Freunde fertig waren, leerte sich der Marienplatz so schnell, wie er sich aufgefüllt hatte. Ich war enttäuscht.

Ungefähr 11:20 startete dann die Demo. Geschätzt waren vielleicht 500 Leute da. 700 wenn ich ein paar doppelt zählen darf. Selbst gegen ACTA waren mehr Leute da …

Ich habe etwa 30 Schülerinnen und Schüler gezählt, welche möglicherweise dem Unterricht fern geblieben sind. Wenn die jedoch nach der vierten Schulstunde offiziell Schluss haben, und die Schule in der Nähe ist … schwänzt in München kein Kind den Unterricht. Und es sind auch nicht „Tausende“, welche die Presse gesehen haben will.

Bei der gesellschaftlichen Diskussion um das „Schuleschwänzen“, geht es primär darum, die Anklagenden anzuklagen – und vom eigentlichen Thema abzulenken. Die Politik und die Gesellschaft haben einfach einen zweiten Schauplatz eröffnet, um sich den Tatsachen nicht stellen zu müssen.

Okay, es gab noch etwa 20 Kinder, die in der Zählung jetzt rausgefallen sind. Der Grund dafür ist, dass diese rund 20 Kinder im Kinderwagen sitzen, und jetzt eher nicht das große Mitspracherecht haben, wo jetzt hingefahren wird.

Ein paar im Teeniealter waren auch da. Ob zufällig oder bewusst? Man weiß es nicht. Und der Rest waren erwachsene Teilnehmer, teils recht alte Menschen mit schlechtem Gewissen.

Unter den Teilnehmern gab es auch die Pressevertretung. Natürlich. Irgendwer muss ja Bilder machen und dann eine Geschichte erzählen, die nicht mal ansatzweise stimmt. Deutsche Qualitätspresse eben.

Und weil inzwischen jeder weiß, dass die nur Müll schreiben, fühlen die sich vermutlich auch bedroht. Die Demo sollte ja eigentlich von Kindern und Jugendlichen besucht werden, und nicht von Erwachsenen. Die Presse wusste dass das nicht stimmt, und zog sich schon mal eine kugelsichere Weste an … die Angst vor dem Pöbel? Ich weiß es nicht.

Was auch interessant war, ist die Tatsache wer an der Demo nicht teilgenommen hat. Es gab keine politische Partei, welche auf der Seite der Klimademonstranten steht. Keine. Keine ÖDP, keine FDP (die ja das Umweltministerium überhaupt erst erfunden haben will), keine Linke, keine Grünen … hoppla, keine Grünen?

Wie kann das denn sein? In den sozialen Netzwerken wird doch gerade von den Grünen gejubelt, das die Kinder und Jugendlichen (also jene Gruppe, die nur schwindend gering anwesend war) die Schule schwänzen, um für mehr Klimaschutz einzutreten!? Die Grünen fallen wie gewohnt als Heuchler auf. Das Übliche. Wasser predigen, mit dem SUV Brötchen kaufen fahren und zur Demo nicht auftauchen – aber mit dem Flieger in den Fernurlaub düsen. Tja, das sind sie, unsere Grünen.

Ich hätte auch die ÖDP erwartet. Aber auch von denen hat sich niemand gezeigt. Die ökologische Partei zeigt dem Klimaschutz die kalte Schulter.

Und überhaupt: Dass sich in Summe keine Partei auf die Seite der Klimaschützer stellt, zeigt doch das grundsätzliche Desinteresse der Politik am Thema Umwelt- und Klimaschutz! Wenn die Demo selbst zu nichts taugt, aber sie sorgt dafür, das die Menschen wissen, wen sie nächstes Mal alles nicht wählen dürfen.

Der Klimawandel und die Umwelt wird von der Politik abgelehnt. Letztere haben aber nicht verstanden, dass der Umwelt- und Klimaschutz keiner Abstimmung im Bundestag unterliegt, der man auch einfach mal fernbleiben darf. Umwelt- und Klimaschutz sind nicht demokratisch, und unterliegen lediglich den Naturgesetzen. Man kann das nicht ablehnen. Es passiert einfach. Und Politik und Gesellschaft kümmern sich einen Dreck.

Aber eines ist sicher: Unsere Kinder zahlen unsere Rechnung. Eine richtig dicke fette Rechnung. Und eigentlich nicht nur unsere Kinder. Ich erwarte, dass ich einen Teil der drohenden Umweltkatastrophen mit erlebe. Dürre, Stürme, Hungersnöte, … das alles wird kommen. Und nicht erst in 50 Jahren. Meine Generation (ich bin 38) wird den Anfang vom Ende voll miterleben.

Die Umweltschäden sind heute schon sichtbar. Und wir wissen auch, dass uns unsere Art zu leben und zu verschwenden später als ökologische Katastrophe voll treffen wird. Wir wissen das alles. Und trotzdem machen wir weiter, und ignorieren die Warnzeichen. Und mehr noch: Für #FridaysForFuture haben wir heute nur ein müdes Lächeln übrig.