Ringhotel Altes Zollhaus

By | 3.1.2016

Vom 28.12.2015 bis zum 02.01.2016 waren wir (ich und meine Frau) im Ringhotel “Altes Zollhaus” in Horumersiel. Warum Horumersiel? Na wohin denn sonst? In Frankreich ist Terror und außerdem eine rechtsradikale Partei auf dem Vormarsch. In Italien ist Smog- und Müllalarm. In Österreich herrscht Flüchtlingskrise und Cops, die Knöllchen an unbescholtene Bürger verteilen. In den Osten Europas ist die Lage politisch sehr zweifelhaft. Wegfliegen geht nicht, weil man nie weiß, wer gerade streikt. Und daheim in München wollen Terroristen die Bahnhöfe in die Luft sprengen. Am Ende blieb die Nordsee übrig. Und es war eine gute Entscheidung.

Ich muss jetzt eines kurz vorausschicken. Es ist das erste Mal, dass es ein Hotel in meinen Blog schafft. Warum? Es ist das erste Hotel, das „anders“ ist als alle anderen Hotels. Und das machte sich schon am Abend unserer Ankunft bemerkbar. Gleich als wir das Hotel betraten, war die Rezeption unbesetzt. Im ersten Moment fand ich das ungut. Und dann lächelte uns da ein Telefon an. Man solle abheben, stand auf dem Zettel. Ich nahm ab. Und im gleichen Moment sagte eine weibliche Stimme, sie komme sofort. Keine zwei Minuten und sie stand vor uns. Na gut. Wir kennen das anders. Aber wir checkten ein.

Und beim Einchecken haben wir schon einige wichtige Punkte entschieden. Der mit Abstand wichtigste war, wann wir Abends essen wollten. Wir entschieden uns für 20:00Uhr. Das leibliche Wohl ist stets ein gewichtiges Gut. Danach sind wir erstmal aufs Zimmer gegangen. Gepäck abladen, frisch machen und Essen gehen.

Sie können bisher nichts aufregendes entdecken? Stimmt. Bis dahin war auch alles so, wie woanders auch. Aber jetzt ging es ja erst los. Denn wie das so ist, wenn man ein neues Hotel besucht, kannten wir uns nicht aus. Und wir fragten einfach. Und dann wurden ins Restaurant geführt. Aber nicht an unseren Tisch. Nein, der musste noch warten. Wir wurden zu einem freundlichen Herrn geführt, der uns mit einem friesischen Lächeln begrüßte. Er stellte sich uns vor. Sein Name sei Arno Meents. Wir guckten wohl blöd. Und dann verdeutlichte er, er ist hier „der Alte“. Alles klar, er war hier der Boss.

Wir wurden in noch keinem Hotel vom Chef persönlich begrüßt. Aber irgendwie wurde da jeder durch den Gastgeber persönlich begrüßt. Also ich fands klasse. Aber allein bei der Begrüßung blieb es nicht. Er stellte uns den Wochenplan vor. Er guckte aber nicht in den Computer oder so, um zu sehen was genau wir gebucht haben … Wir standen mit ihm im Restaurant nahe der Kuchentheke und dann legte er los.

Morgen geht’s zum Bosseln. Wir kommen da mit? Das lehnte wir aber ab. Man muss wissen, wir waren einen Tag zuvor noch auf einem Spontanbesuch in einem Münchner Krankenhaus, weil es meiner Frau nicht so gut ging. Und im Falle eines „schlechter Werdens“ wäre ich gern sofort zur Stelle gewesen. Er machte zwar klar, das viele andere dabei sind, die Bosseln auch nicht kennen, und dass dies aber jeder könne. Wir blieben aber beim nein. Sicher ist sicher.

Übermorgen stehe dann das traditionelle Grünkohlessen an. Da müssten wir durch, sagte er mit einem süffisanten Lachen. Wir kennen das schon. Das war kein Problem. Außerdem komme an diesem Abend großartiger Besuch nach Horumersiel ins Alte Zollhaus. Frank Sinatra hätte sich angekündigt. Dazu kann ich jetzt folgendes sagen, Erstens: Das Grünkohlessen war ein Traum. Mutti kann das nicht besser! Und zweitens kam Frank Sinatra tatsächlich vorbei. Und wir erlebten einen friesentypischen Winterabend mit bestem Essen und einer musikalischen Live-Zeitreise von und mit Frankyboy.

Einen Tag später sollte dann das große Fischbuffet für einen Augenschmaus sorgen. Offen gesagt war ich skeptisch. Ich bin kein großer Fan von Fisch. Fakt ist aber, das ich noch nie so viel leckeren Fisch gegessen habe, wie an diesem Abend. Das erste mal war der Teller nur voll mit kleinen Probierhäppchen. Für den zweiten Gag ans Fischbuffet war der Teller einfach zu klein. Es half nix. Ich musste später noch ein drittes Mal Nachschub holen.

Und dann kam der 31.12.2015. Der Silvesterabend. Mit einem 7-Gang-Menü. Es ging dabei aber nicht darum, möglichst viel zu essen, sondern darum gut zu essen. Was ist da der Unterschied? Ist doch klar: Gut Essen heißt auch den Kreationen aus der Küche optisch und geschmacklich zu huldigen- und zu hungern. An dem Abend – oder sollte ich sagen an diesem Morgen – ist ganz sicher keiner hungrig in die Koje gegangen.

Überhaupt kann man sich in dem Hotel über mangelnde kulinarische Genüsse nicht beschweren. Das Hotel hat eine hauseigene Konditorei (die es gab, noch bevor das Alte Zollhaus ein Hotel wurde) mit selbstgemachtem Kuchen, den wir allerdings erst an Sylvester probiert haben. Warum erst da? Weil wir vorher nicht die Finger von den selbstgemachten Waffeln mit Vanilleeis, Sahne und heißen Kirschen lassen konnten. Der Meinung waren auch viele andere Hotelgäste an Sylvester, denn als wir kamen, gab es schon keinen Waffelteig mehr. Dazu kam, dass wir spät dran waren für diesen Tag, da die Crew schon den Sylvesterabend vorbereitete. Aber wir durften uns gerne Kuchen und heiße Schokolade mit aufs Zimmer nehmen und bekamen dafür sogar noch ein Tablett mit.

Apropos Zimmer: Eine Minibar gab es da nicht. Ein Grund zum Meckern? Mitnichten! Denn, auch das hatten wir in noch keinem anderen Hotel, eine solche brauchte das Zimmer nicht. Und zwar deshalb, weil sich auf jedem Stockwerk ein großer Getränkekühlschrank befand, aus dem man sich bedienen durfte, man brauchte nur auf einer Liste im Zimmer zu vermerken, wie viel man sich genommen hatte. Übrigens zu moderaten Preisen, nicht ganz so günstig wie im Supermarkt, aber nicht so teuer wie an einer Tankstelle oder sonst wie im Hotel üblich.

Was ich aber die ganze Woche über bewunderte, war, dass das Personal keinen Stock im Rücken hatte. „Freundlich“ gibt es ja überall. Das wird denen ja in der Ausbildung beigebracht. Aber die Mitarbeiter des Alten Zollhauses haben auch so manchen Spaß mit Gast und dem Alten gemacht. Ich muss zugeben, dass ich das eine oder andere Gespräch zwischen dem Alten und seinen Angestellten belauschen musste. Das war nicht meine Schuld. Die hätten sich auch ein stilles Örtchen suchen können^^. Die Beziehung zwischen dem Alten und den Angestellten war eher eine freundschaftliche Basis. Und ich glaube, dass genau das den Erfolg des Hotels ausmacht. Und dieser Umgang kam letztlich auch dem Gast zugute.

Es war nicht diese verklemmte Atmosphäre und auch nicht diese übertriebene Distanzierung zum Gast die man sonst so kennt. Ich würde es eher so beschreiben: Wir sind alle hier, weil wir hier sein wollen. Und wir wollen alle unseren Spaß haben. Wir wollen aber nicht nur Spaß haben, sondern auch einen guten Job machen. Und das ist uns wichtig. Und dann haben die das gemacht.

In dem Hotel gibt es auch einen Saunabereich – den keiner benutzte. Ich fragte am ersten Tag, ob man da nicht die Sauna aktivieren konnte. Innerlich hatte ich mit einer Absage gerechnet. Ich bin ja alleine. Und offenbar auch der Einzige der das nutzen will. Aber nix da. „Selbstverständlich Herr Tietgen. Einfach eine halbe Stunde vorher Bescheid geben. Dann bereiten wir alles für Sie vor.“ Und so geschah es dann auch. Eine ganze Saunalandschaft für mich allein. Ich gebe zu: Ich war beeindruckt.

Aber das Beste kommt natürlich immer zum Schluss. Ich bat nach unserem letzten Abendessen um eine Audienz beim Alten. Selbige bekam ich an der Bar. Es war für mich das erste Mal, dass ich hinter die Kulissen des Hotels blicken konnte, und Backgroundinformation aus erster Hand bekam. Das Gespräch mit Arno hätte gern länger dauern können. Aber da der Chef hier noch selbst mit anpackt, und in das Hotelgeschehen zu 200% mit eingebunden ist, mussten wir mehrmals unterbrechen. Aber so ist das eben.

Arno (der Alte) und Christian

Arno (der Alte) und Christian

Eigentlich wollte ich diesen Blog mit vielen Bildern aufwerten. Aber ich habe mich am Ende doch noch dagegen entschieden. Obwohl das Hotel, das Essen und Horumersiel schön anzuschauen sind, ist es viel besser, wenn man sich selbst auf den Weg macht, und das Alte Zollhaus mit einem Besuch beehrt. Und weil Horumersiel nicht nur eine Reise wert ist, werden wird dort bestimmt wieder einlaufen.

Wer trotzdem Bilder und mehr Information zum Hotel möchte, der klicke auf diesen Link http://zollhaus.de/ Die Wahrheit ist aber, dass die Bilder nicht so gut sind, wie das Live-Bild, wenn man selbst dort ist. 🙂