Kinderfilme sind brutal

By | 7.12.2014

Klar, Kinderfilme sind Filme, die für Kinder geeignet sind. Aber wenn ich mir das so überlege, sind die meisten Kinderfilme ganz schön brutal.

Wir haben gestern „Paddington“ im Kino gesehen. Da geht es um ein Bärenkind, das bei einem Erdbeben seinen Onkel verliert (weil es schon bei Filmbeginn keine Eltern mehr hatte!). Nur das Bärenkind und seine Tante überleben. Die Tante kann ihn nicht aufziehen und schickt das Bärenkind nach London zu einem Forscher, der irgendwann mal bei den Bären in Peru war. Das Bärenkind ist aber kein „Reisender“, sondern ein blinder Passagier und ernährt sich auf der ganzen Überfahrt von Marmelade. Und so weiter und so weiter.

So, jetzt nochmal kurz inne halten, bitte.

Da ist in Peru eine Familie, die bei einer Naturkatastrophe umkommt. Alle bis auf das Kind und die Tante. Die Tante selbst geht ins „Altenheim für Bären“ während das Kind illegal nach London fährt, dort den Zoll austrickst und schließlich an einem Bahnhof namens Paddington Station übernachtet – ok, beinahe übernachtet. Und das Bärenkind soll außerdem jemanden finden, den es nicht kennt, von dem es keinen Namen hat, keine Adresse ……. hallo?

Was genau ist hier eigentlich pädagogisch?? Außerdem isst das Bärenkind die ganze Zeit nur Marmelade aus dem Marmeladenglas ….. wie wäre es mal mit `nem Apfel so zwischendurch? Und warum aus dem Marmeladenglas? Wehe wenn die Menschenkinder ihre Zunge in „Schwartau extra“ hängen! Dann gibt’s wahrscheinlich wirklich das „erste Extra des Tages“ auf den Hintern.

Wäre Paddington ein Film für Erwachsene geworden, dann hätte in Peru ein Drogenboss irgendwelche Leute kalt gemacht und ein anderer wäre zur Stelle gewesen, der die Rache ausführt. Und der Held würde offiziell mit dem Schiff nach London fahren – auf dem Schiff auch mal ein Apfel mit Messer und Gabel essen -, dort am Hafen die Drogen aufhalten und die Verbrecher dem Zoll übergeben, und den Vertrieb in London schließlich beenden und vielleicht sogar seine Traumfrau heiraten.

Fazit: Kinderfilme sind traurig und Erwachsenenfilme haben ein Happy End.

Ist Paddington eine Ausnahme? Nein. Im Film „Die Pinguine aus Madagaskar“ wird gleich am Anfang klar gestellt: Die Natur verliert schon mal ein Ei. Und sachlich betrachtet hatte Kowalski (ein Pinguin in dem Film) recht, als er dem gerade geschlüpften Private mitteilte: Du bist allein, Du hast keine Eltern und wir werden alle sterben.

Der Film „Findet Nemo“ fängt ja auch krass an. Da werden alle gefressen außer der Vater-Clownfisch und das Krüppelkind mit der halben Flosse. Kindgerecht ist also, wenn alle Bezugspersonen um das Kind herum sterben. Kein Wunder, dass der kleine Klaunfisch Nemo keinen Witz bei den Haien erzählen kann ….

Oder anders: „Sammy`s Abenteuer„. Auch ein „Kinderfilm“. Die 3D-Effekte sind Klasse, aber warum müssen da so viele kleine Schildkröten sterben?

Zum Vergleich jetzt mal:

Das Fazit aus Terminator 1 ist ein Baby.

In der Serie „Supernatural“ finden die Winchster-Jungs ihren Vater wieder – und schicken Dämonen und anderes Gesockse zurück in die Hölle.

In „Plattfuß in Afrika“ bekommt der Schokokrümel ein neues Zuhause.

In Ocean`s 11 / 12 / 13 stirbt sogar niemand.

Und wie war das früher?

Bei „Michl aus Lönneberga“ ist keiner gestorben. Selbst im Buch „Rasmus und der Landstreicher“ musste kein Kind nachlesen, wie Rasmus seine Eltern verloren hatte. Die waren weg … und fertig. Da musste man kein Erdbeben in Peru bemühen.

Das doppelte Lottchen von Erich Kästner hat auch nie einen Berg von Leichen gebraucht. Selbst in der Neuverfilmung „Charlie und Louise“ mit Heiner Lauterbach und Corinna Harfouch gibt es *überraschend* keine Tote.

Mein ganz persönliches Fazit: Kinderfilme haben an Brutalität zugenommen.