Von Entscheidern und Querdenkern

By | 8.12.2013

Immer wieder überprüfe ich meinen eigenen „Marktwert“ als Arbeitnehmer. Und deshalb beobachte ich natürlich auch den Stellenmarkt. Ich bin zwar nicht aktiv auf der Suche, aber besser, man bleibt auf dem Laufenden.

Jedenfalls liest man in einigen Stellenanzeigen sowas wie „Entscheider gesucht“ oder „Querdenker haben bei uns Zukunft“. Nun, das ein Unternehmen für sich wirbt ist ja eine normale Sache. Aber jetzt betrachten wir diese wichtige Anforderung des Querdenkens und des Entscheidens mal genauer.

Wenn eine Firma einen Querdenker sucht, dann suchen die jemanden, der in die Firma einen frischen Wind bringt. Einen Mitarbeiter, der die Sache anders in Augenschein nehmen soll. Ein Mitarbeiter, der gegen den Strom schwimmt. Ein Mitarbeiter mit neuen Ideen. Ein Mitarbeiter, der sich aktiv einbringt …

Also, jetzt mal zurück in die Realität: Wenn ich das etwas schöner schreibe, und in meine Bewerbung integrieren würde, würde ich dann auf diese Bewerbung überhaupt eine Reaktion bekommen? Offen gesagt glaube ich das nicht. Denn in meinen zarten zehn Jahren Berufserfahrung habe ich schon viele solcher Querdenker getroffen … die haben alle einen Werdegang wie ein Schweizer Käse. So wahnsinnig beliebt sind diese Querdenker also gar nicht.

Ein Entscheider ist ja jemand, der entscheiden soll. Für mich liest sich das dann so, dass in dieser Firma Leute arbeiten, die de facto unfähig sind eine Entscheidung zu treffen. Oder sie wollen die Entscheidung nicht treffen, weil sie jegliche Form von Verantwortung ablehnen.

So, und jetzt muss an dieser Stelle gefragt werden dürfen, ob ich in einer Firma arbeiten will, bei der meine zukünftigen Kollegen Verantwortung ablehnen dürfen (oder wollen), bzw. unfähig sind Entscheidungen zu treffen.

Aber, das muss man vielleicht auch noch berücksichtigen: Wenn in der Firma ein „Entscheider“ fehlt, dann wird die Firma sich nicht für mich „entscheiden“, weil ja keiner da ist, der die Verantwortung für meine Einstellung übernehmen will, kann oder darf.

Ob ich ein Querdenker bin? Soweit würde ich nicht gehen. Ich sehe mir eine Sachlage an, und dann wird reagiert … bzw. ich entscheide mich für ein Vorgehen – und stehe dann auch dazu. Egal ob sich das dann als Griff ins Klo entpuppt oder als Megaerfolg.

Nichts tun ist keine Option.

Nicht zu verwechseln mit „nicht reagieren ist auch eine Reaktion“.