Der Streit um den Atomausstieg

By | 22.5.2011

Seit der Nuklearen Katastrophe in Japan sind die Deutschen in eine anhaltende Panik geraten. Sie befürchten, das auch Deutschland ein solches Unglück treffen könnte. Deshalb fordert die breite Masse der Bevölkerung den schnellen Ausstieg aus der Kernkraft.

Die Atomkraftgegner fordern einen Atomausstieg innerhalb von drei bis vier Jahren. Ihre Lösungsansätze sind dabei bestenfalls als populistisch zu betrachten. Kaum einer macht sich die Mühe, und blickt auf die Anforderungen an unsere Gesellschaft, die diese Forderung mit sich bringt.

Ich möchte hier die Rahmenbedingungen genauer beleuchten …….

Forderung: Subventionen der Kernenergie streichen und in Ökostrom investieren

Dies ist realistisch betrachtet überhaupt nicht machbar. Im allerbesten Fall lässt sich die Subventionierung in geringem Ausmaß senken – aber ganz sicher nicht streichen. Der Grund ist ganz einfach. Wir können die stillgelegten Atomkraftwerke nicht einfach zuschließen und ein Schild an die Tür nageln, auf dem steht „Ab heute geschlossen“.

Die Atommeiler müssen entweder bewacht stehenbleiben oder abgerissen und entsorgt werden. Wenn sie stehen bleiben sollen, dann müssen das Gelände bewacht und die Reaktoren regelmäßig gewartet werden, damit keine radioaktive Strahlung entweichen kann. Entscheidet man sich für den Abriss, sprechen wir von einer sehr gefährlichen Herausforderung. Denn beim Abriss kann Radiaktivität austreten. Außerdem wird aus dem Abriss des Reaktors am Ende radiaktiver Sondermüll, der sehr lange gelagert werden muss. Auch dies kostet große Summen an Geld.

Subvention streichen und in Ökostrom investieren geht also nicht.

Ökostrom muss produziert werden

Um den fehlenden Atomstrom auszugleichen, muss entsprechend mehr Ökostrom produziert werden. Dies wird sich jedoch als sehr schwierig erweisen.

Während man im Süden Deutschlands versucht Solartechnik auf die Dächer zu bringen, versucht man im Norden die Windkraft für sich zu nutzen. Doch beide Techniken haben ein Problem: Wenn dem Nachbarn das nicht passt, das ich mir ein Windrad aufs 2km entfernte Feld stelle oder ein Solarpanel aufs Dach schrauben will, dann kann der dagegen klagen und gewinnt. Obwohl es den Nachbarn nichts angeht, was ich aufs Dach baue oder mir in den Garten stelle, geben die Gerichte in solchen Fällen den Klägern Recht.

Wir haben in Deutschland ca. 24% Strom aus Atomkraftwerken. Wenn wir als Gesellschaft das auf 0% haben wollen, dann müssen wir erstmal die Rechtsprechung ändern, damit solche Investitionsplanungen auch realisiert werden können. Allein vom demonstrieren und altklug daherreden kriegen wir keinen Ökostrom.

Neue Stromtrassen braucht das Land

Deutschland braucht ein Stromnetz, das für die Zukunft gerüstet ist. Wenn wir den Ökostrom flächendeckend nutzen wollen, dann brauchen wir ein Stromnetz, das viel engmaschiger ist also heute. Eine dezentrale Energiegewinnung – und eine dezentrale Energieversorgung – braucht das zwingend.

Doch auch hier finden sich immer und überall genug Menschen, die „dagegen“ sind. Immer wieder hört man „Neue Stromtrassen ja, aber nicht hier bei mir“.

Die Strompreise werden sich verfierfachen

Die nötigen Investitionen gehen in die Milliarden. Der Strompreis von heute ist damit kaum zu halten. Eine Verfierfachung ist einigermaßen realistisch angesiedelt.

Strom sparen

Jeder von uns kann Strom sparen, aber keiner will es wirklich machen. Wer seine Glühbirne um 99Cent gegen eine LED-Lampe austauscht, muss erstmal 15 – 30 Euro investieren. Das ist der breiten Masse zu teuer. Fakt ist: Wer seine Wohnung umstellt, der verbraucht nur noch ein Bruchteil an Energie. LED-Lampen brauchen nur 3-4 Watt. Die herkömmliche Glühbirne ab 60Watt aufwärts …. rechnets euch selbst aus.

Außerdem kann man durch Neuanschaffungen Strom sparen. Wer einen zehn Jahre alten Kühlschrank hat, der kann einen neuen kaufen. Gleiches gilt für Waschmaschinen oder Spülmaschinen. Aber auch diese Investition lehnen die meisten Deutschen ab, weil „das brauchts nicht“.

Energiebedarf steigt

Mit Blick auf die Automobilindustrie wird der Strombedarf die nächsten Jahre sehr stark ansteigen. Dies ist eine Tatsache, der man einfach ins Auge blicken lässt. Denn gegenwärtig wird der Atomausstieg mit dem kalkuliert, was wir jetzt verbrauchen. Ein Blick in die Zukunft ist also zwingend notwendig. Und er zeigt, das es nicht ausreichen wird, die AKW zu ersetzen. Wir werden mehr an alternativen Energiequellen brauchen, als nur zum Ersatz von den deutschen AKW.

Strom aus der Sahara

Die Atomkraftgegner führen immer gern das Großprojekt „Strom aus der Sahara“ an. Das Projekt ist technisch betrachtet echt Klasse. Die Sache hat nur einen Haken: Afrika ist jetzt nicht gerade bekannt dafür, ein friedlicher Kontinant zu sein. Und die Frage muss erlaubt sein, ob unsere Stromversorgung gesichert ist, oder ob sie durch „Querdenker“ des Islams lahmgelegt werden kann.

Strom aus der Sahara ist ja toll, aber sehr unsicher. Wenn denen einfällt uns den „Hahn abzudrehen“, dann machen die das einfach.

Marktmächte verhindern grünen Strom

Die vier großen Energieversorger haben kein ernsthaftes Interesse am grünen Strom. Der Grund: Eine dezentrale Stromgewinnung zerschlägt die Marktmacht. Die Stromlobby wäre wie „weggeblasen“. Und genau deshalb wird die Umsetzung extrem schwer werden. Die Energieversorger werden alles mögliche versuchen, um nach Außen so zu wirken, als hätte man ein starkes Interesse am grünen Strom. Aber inWahrheit werden die Lobbyisten alles versuchen, um es zu verhindern – oder sich alle Rechte an allem zu sichern.

Grüner Strom ist mehr als „gefällt mir“

Insgesamt ist es sehr leicht bei Facebook für grünen Strom auf „gefällt mir“ zu klicken. Aber es ist etwas völlig anderes, wenn man dieses Ziel auch lebt – mit allen Konsequenzen.

In eigener Sache

Nein, ich bin kein AKW-Befürworter. Ich bin durchaus für „Biostrom“. Aber als mündiger Bürger, muss ich die Sache selbst betrachten. Aus vielen verschiedenen Blickwinkeln unter Berücksichtigung der jeweiligen Interessengruppen. Und dann wird klar: Einfach den Schalter umlegen und eine Parole ausgeben, löst das Problem nicht. Jeder ist gefragt seinen Beitrag zu leisten.

…… und das wahren jetzt nur die Rahmenbedingungen ……