ADHS im Internet – Eine Momentaufnahme

By | 18.7.2009

Ich habe jetzt bestimmt 2 Jahre oder so in Sachen ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) gar nichts mehr gemacht. Doch seit einigen Wochen bringe ich mich auf den aktuellen Stand der Dinge. Meine bisherigen Beobachtungen sind erschreckend.

Viele ADHS-Foren haben inzwischen dermaßen an Qualität verloren, das sich eine Teilnahme gar nicht mehr lohnt.

Jedem geht es noch schlechter als dem anderen. Und kaum einer ist motiviert etwas für sich selbst zu tun. Denn wer das in einem Forum öffentlich schreibt, der gilt sofort als assozial und egoistisch.

In einem Forum sprach ich über den beruflichen Erfolg. War auch ein mächtig großer Fehler. Wer Erfolg hat, der gilt als Angeber oder sogar als Lügner. Denn keiner darf Erfolg haben- so die gängige Meinung. Allein das ist schon ein starkes Stück.

Interessant ist auch, das die Betroffenen immer mehr und immer lauter Forderungen durchsetzen wollen um sich das leben zu erleichtern und auf Kosten anderer zu Leben. Das fängt bei ihren Kindern an und hört bei den Erwachsenen auf. Aber irgendwie kommt keiner auf die Idee mal etwas selber anzupacken.

Erschreckend hoch muss auch die Zahl der Arbeitsverweigerer unter den „ADHSlern“ sein. Liest man so manchen Forenbeitrag, dann wollen die meisten zwar arbeiten, aber bitteschön nur das was sie wollen und zu den Zeiten wie sie sich das vorstellen und das ganze bei Lohnforderungen wo der gesunde Menschenverstand nur noch den Kopf schütteln kann. Es ist wirklich der Wahnsinn in Natura. Zeitarbeit kommt natürlich für keinen infrage. Wer sich gut verkaufen kann und eine Ausbildung nachweisen kann, hat in diesem Teil des Arbeitsmarktes viele interessante Chancen. Aber nein, das geht ja nicht.

Und so wundert es auch niemanden mehr, das in den ADHS-Foren keine Postings mehr zu finden sind, die über Fortschritte, Veränderungen oder Erfolge berichten. Allesamt sind am meckern, am schimpfen und am herumjammern. Es sind wirklich traurige Zustände die zugleich auch sehr erschreckend sind.

Und aus dieser Entwicklung heraus ist es wohl auch gut so, das einige ADHS-Foren offensichtlich das Handtuch geworfen haben. Sprich: Es gibt sie nicht mehr. Und das erklärt auch weiter, warum einige Foren – gemessen an den Forenbeiträgen – praktisch im sterben liegen. Positives will keiner lesen.

Aus psychologischer Sicht sind die meisten ADHS-Foren pures Gift für die Patienten. Wer ständig liest wie schlecht es anderen geht, der nimmt die Meinung an, das es ihm auch schlecht geht, bzw. schlecht gehen muss. Denn allen anderen ADHS-Patienten geht es ja auch schlecht. Kein Wunder das viele an Depressionen leiden. Andere treiben es dann noch auf die Spitze und berichten über Selbstmordgedanken. Und spätestens dann hauts einem den (sprichwörtlichen) Schalter raus.

Eine positive Entwicklung gibt es aber doch. Denn in diversen Elternforen die sich primär mit Elternangelegenheiten (Kindergarten, Schule, Familie, Gesundheit, etc.) beschäftigen, haben Unterforen für spezielle Themen eingerichtet. Neben den Unterforen zum Thema Behinderung oder Kinderkrankheiten findet sich immer häufiger das Unterforum ADHS.

Dies ist insofern eine positive Entwicklung, weil Eltern, die damit vorher nie etwas zu tun hatten zumindest mal davon gehört haben und somit für das Thema ADHS sensibilisert werden.

Und in den Elternforen dürfen längst nicht nur Mißerfolge gepostet werden, sondern auch Erfolge und positive Ereignisse.