Zensur von „alternativen Fakten“ oder „Fake News“?

By | 26.4.2017

Ein „Wahrheitsministerium“ braucht das Land? Also eine Behörde, welche darauf achtet, dass nur noch Wahrheiten verbreitet werden? Ist das sinnvoll? Ist eine Selbstverpflichtung oder ein Gesetz für soziale Netzwerke die richtige Lösung, um Falschnachrichten und „alternative Fakten“ löschen zu lassen? Oder ist das – mal wieder – einfach nur der Versuch von staatlicher Zensur? Ist es womöglich die Zensur durch US-Unternehmen?

Ich glaube, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, was es bedeutet, wenn man falsche Nachrichten oder falsche Fakten einfach löschen muss. Es klingt dabei doch ganz einfach. Dieses „einfach löschen“. Aber ganz so einfach ist es gar nicht. Ich hatte kürzlich den konkreten Fall, dass ich auf einer meiner Facebook-Seiten Kommentare gelöscht habe, weil sie „falsch“ waren.

Meine Facebook-Seite „ADHS-Zentrum“ zählt inzwischen über 4.000 Nutzer. Und diese Nutzer teilen Inhalte. U.a. von meiner Website https://adhs-zentrum.de . Jetzt gibt es Personen, welche Fakten erfinden, um das Krankheitsbild ADHS als „nicht existent“ oder als „Impfschaden“ darzustellen. Beide Behauptungen sind sachlich falsch. Es sind „alternative Fakten“ in einem sozialen Netzwerk. Was ADHS wirklich ist, kann man hier nachlesen.

Als Betreiber der Facebook-Seite bin ich für die Inhalte verantwortlich. Ich hafte dafür. Im Zweifel sogar mit meinem Privatvermögen. Eine Strafe in Höhe von 50.000€ würde mich ruinieren. Um diese Strafe nicht zu zahlen, habe ich zwei Postings gelöscht. Ich habe damit aber auch jeweils den Threadstrang gelöscht.

Ich habe also vorbeugend dem kommenden Gesetz entsprochen. Und jetzt könnte man sagen, dass ich mich gesetzlich gesehen korrekt verhalten habe. Trotzdem sehe ich das persönlich anders. Ich habe nämlich eine Diskussion im Keim erstickt. Ich habe damit Meinungsbildung unterbunden.

Natürlich ist ADHS kein Impfschaden, und auch keine erfundene Krankheit. Aber warum darf ich über so etwas nicht diskutieren? Die Zensur per Gesetz hat in diesem konkreten Fall verhindert, dass die Personen von den tatsächlichen Fakten gar nicht überzeugt werden konnten. Wenn ich also eine Diskussion verbieten muss, weil ich sonst Strafen zahlen muss, dann schadet das eigentlich nicht mir, sondern jenen, welche an die „alternativen Fakten“ glauben.

Wie soll die „Wahrheit“ denn jene erreichen, wenn man über „falsche Wahrheiten“ nicht mehr sprechen darf?

Natürlich verstehe ich die andere Seite auch. Denn wer sich nur mit Fake-News und alternativen Fakten unterwirft, der glaubt diese auch. Anders ausgedrückt: Es gibt kluge Menschen, die selbst denken und sich informieren. Menschen, die nicht alles essen, was ihnen eine Propagandamaschine zum Fraß vorsetzt. Es gibt im Umkehrschluss aber auch dumme Menschen, die nichts hinterfragen und alles glauben, was ihnen ihr Wanderprediger erzählt. Und jetzt? Kommt ein neues Verbot? Werden intelligenzgeminderte Menschen verboten? Deutschland im Euthanasie-Rausch?

Ich will das gar nicht weiter vertiefen. Es ruft Bilder aus dem Geschichtsunterricht in die Gegenwart.

Aber wie sieht die Lösung aus, welche auch in der Praxis anwendbar ist, ohne dass dabei Zensur per Gesetz erforderlich ist? Zuerst muss die Presse verstehen, dass sie oft die treibende Kraft für Falschnachrichten ist. Schlecht recherchierte Artikel, welche die Ahnungslosigkeit des Journalisten ausdrücken, brauchen wir schlicht nicht. Wenn in einem Artikel einer renommierten Zeitung zu lesen ist, dass ADHS durch zu wenig Sonne in der Schwangerschaft entsteht, dann ist dieser Artikel nichts wert. Und der Journalist gehört entlassen. Und ja, solche Artikel gibt es.

Die meisten Artikel in den meisten Onlinezeitungen entlarven sich selbst als sachlich falsch oder unzureichend recherchiert. Beispiel: Seitdem die SPD den Boom der Zeitarbeit verursacht hat (2003), haben die Gewerkschaften stets die Wünsche der Arbeitgeber erfüllt und alles brav unterschrieben. Gleich am nächsten Tag haben die Gewerkschaften jene Tarifverträge für Zeitarbeiter kritisiert, die sie einen Tag zuvor unterschrieben haben. In der Presse ist über diese Sachlage bis heute nie berichtet worden. Die „wahren Bösen“ sind stets die Arbeitgeber. Und die Gewerkschaften sind immer die „Guten“.

Eine bessere Pressearbeit erfordert Journalisten, welche ihren Job ernst nehmen. Wir brauchen einen Journalismus, der sich an Fakten, und nicht an eine Quote, an Klickzahlen oder Pageviews orientiert. Das ist natürlich nicht umsonst zu haben. Aber ich würde für gute Presseerzeugnisse auch gutes Geld bezahlen. Gegenwärtig bezahle ich nichts. Warum nicht, kann sich jetzt jeder selbst ausrechnen.

Ob das als Maßnahme ausreicht, kann ich nicht sagen. Ich weiß aber, dass dies ein sinnvollerer Schritt wäre, als ein Gesetz auf den Weg zu bringen, um das sich eh keiner kümmert. Abgesehen von jenen, die zum Handlanger des Staates werden …. also ich zum Beispiel.