Kaufanregung für E-Autos?

By | 3.5.2016

Ich muss das jetzt fragen: Brauchen wir wirklich diese finanzielle Kaufanregung der Bundesregierung? Oder anders gefragt: Ändert sich das Kaufverhalten der Deutschen durch diese Abwrackprämie?

Kennen Sie die gängigen Vorurteile Argumente, warum die Leute keine E-Autos kaufen?

  • zu geringe Reichweite
  • zu lange Ladezeiten
  • Benzin und Diesel ist billig
  • es gibt keine E-Autos für Familien
  • keine Lademöglichkeiten zu Hause
  • keine Lademöglichkeiten an den Orten, wo ich mich aufhalte (z.B. in der Arbeit)
  • E-Autos bereiten keinen Fahrspaß
  • kritische Betrachtung in Sachen Ökobilanz wegen der Batterie
  • zu teuer in der Anschaffung

Also ein Kleinwagen mit Benzinmotor – NEU – gibt es schon ab 7.000€. Ein Elektroauto in der gleichen Größe gibt es oberhalb von 20.000€. Liebe Bundesregierung, glaubst Du wirklich, das sich jemand wegen 4.000€ Prämie ein Auto kauft, das er nicht gut findet? Wie weit muss man im Kopf von der Realität entfernt sein, um sowas zu glauben?

Und dann muss ich auch mal was anderes fragen: Wir haben eine freie soziale Marktwirtschaft. Seit wann muss diese Planziele der Bundesregierung erfüllen? Wenn ein Produkt nicht gut ist, dann kauft das keiner. Ist das Produkt gut, dann kaufen die Kunden das auch. Und weil der Kunde das Sortiment an E-Autos nicht gut findet, kauft er es nicht. So einfach ist das.

Die Automobilindustrie muss also Produkte auf den Markt bringen, die der Kunde auch kaufen will. Die Prämie allein wird keine Kehrtwende einläuten.

Und mal ein wenig im Kaffeesatz geforscht, könnte es auch sehr gut sein, dass die Bundesregierung selbst den Vertrieb von E-Autos ablehnt. Warum? Ganz einfach: Jeder, der einen Benziner oder Diesel in der Garage hat, der zahlt massig Steuern dafür. Zum Vergleich: 2-Liter Turbodiesel = 340,-€ Steuer. Toyota Hybrid = 30,-€. Renault Twizy = 22,-€ pro Jahr. Durch jedes Elektroauto entgehen dem Staat Steuereinnahmen.

Das geht aber noch weiter. Im Landkreis Fürstenfeldbruck ist der Strom so billig, dass EON ihn an Besitzer von E-Autos verschenkt. Das ist kein Witz. Mein E-Auto, einen Renault Twizy, lade ich kostenlos auf. Einmal aufladen kostet mich zu Hause 1,50€ (=ca. 80km Reichweite / wir haben eine Steckdose in der Tiefgarage legen lassen).

Ich lade mein Auto auch im nahegelegenen GADA (ein Gewerbegebiet) auf, während ich einkaufen gehe … ganz einfach. In der Nähe von meinem Zahnarzt gibt es auch eine Ladesäule. In Germering beim Veranstaltungszentrum ebenfalls. Und so weiter … gut, Olching hat keine Ladesäule für mich. Aber das ist eben Olching. Darum gehe ich da auch nicht einkaufen. Fertig.

Die Prämie suggeriert natürlich auch „Produktreife“. In Wirklichkeit ist technisch noch viel Luft nach oben. Und die Prämie verhindert, dass sich die Autoindustrie um bessere Produkte bemüht. Wozu auch? Der Staat zahlt es doch! Die Prämie für E-Autos ist ein echter Innovationskiller. Jedenfalls sehe ich das so.

Ich sehe aber auch noch etwas anderes. Nämlich das die Autonation vor ihrer nächsten Wirtschaftskrise steht. Diesel und Benzin hat ausgedient. Beim Thema Hybridfahrzeuge haben wir bereits versagt – siehe technischen Stand von Toyota. Beim den Elektroautos sind wir gerade am versagen – siehe Tesla.

Eine Schlüsselindustrie rast mit voll Karacho gegen die Wand. Natürlich mit einem Diesel.