Ich bin auf Jobsuche
Das ist den meisten die mich kennen bekannt. Es steht ein Umzug an, jedenfalls in Teilen, … etc. Eigentlich nichts Neues. Allerdings kann ich meinen Arbeitsplatz nicht mitnehmen. Deshalb braucht es etwas Neues. Einen neuen Arbeitsplatz. Und wo schaut man sich am besten um? Im wahrscheinlich führenden Berufsportal LinkedIn.
Seit 6 Wochen schaue ich mich dort um, und kann folgendes Berichten: Finger weg von LinkedIn!
LinkedIn ist eine Sammelstelle für das völlige Versagen von HR-Abteilungen. Ich plaudere jetzt mal etwas über das, was ich bisher so erlebt habe – nur auf LinkedIn.
Viel Spaß. …. aber wenn Du von HR bist, dann wird es jetzt häßlich für dich.
Keine Antwort
Ich glaube das kennen wir alle. Man schreibt eine Bewerbung, und erhält als Echo … ne, warte mal. Kein Echo. Da kommt nichts. Gar nichts. Das ist nichts Besonderes. Man interessiert sich nicht für dein Anliegen. Und wenn Du völlig ignoriert wirst, dann ist dass das mit Abstand Beste, was dir als Bewerber passieren kann. Der ganze restliche Rotz bleibt dir dann erspart.
Mailer-Dämon
Lustig wird es dann, wenn man sich besonders viel Mühe mit der Bewerbung gemacht hat, und dann an die angegebene Mailadresse schickt, und diese dann einen Mailer-Dämon zurückgibt. Sprich: Die Mailadresse gibt es nicht. Die Anfrage wird vom Server zurückgewiesen.
Du recherchierst das Unternehmen, bist Top-Vorbereitet, ein passgenaue Bewerbung … und dann ist das ein toter Briefkasten.
Das lässt sich aber noch locker steigern.
Anrufen
Was es auch gibt: Du schickst die Bewerbung hin, hörst zwei Wochen nichts – und dann rufst Du an. Ich telefoniere ja nicht so gerne, aber auch ich kann telefonieren, wenn ich telefonieren muss.
Also rufe ich nach zwei Wochen an, und dann meldet sich nicht Frau Müller, sondern Frau Schmidt. Frau Schmidt erklärt mir dann, dass die Frau Müller seit über sechs Jahren nicht mehr für das Unternehmen tätig ist, bei dem ich mich beworben habe.
Die E-Mailadresse gibt es noch, aber sie dient nur zur Datensicherung alter Vorgänge, die mit Frau Müller zu tun hatten. Gewöhnlich schaut in das Postfach keiner mehr rein. Von einer offenen Stelle weiß sie nichts.
Ich lege auf. Ich grinse. Ich lache. Ich breche vor Lachen zusammen. Ich kann nicht mehr.
Fakejob
Was es auf LinkedIn auch wie Sand am Meer gibt: Fakejobs. Das sind Stellenanzeigen, hinter denen es gar keine offene Stelle gibt. Also man suggeriert der Welt, man habe enormen Personalbedarf, ist wirtschaftlich supergut aufgestellt, …
Achtet mal drauf: Die nehmen alle paar Wochen die gleichen Stellenausschreibungen, und kopieren sogar die Rechtschreibfehler mit. Wenn eine Stelle alle vier Wochen auftaucht, dann gibt es diese Stelle nicht.
Bevor man sich also auf eine Stelle bewirbt, lohnt es sich zu überprüfen, ob die gleiche Stelle in jüngerer Vergangenheit schon mal veröffentlicht wurde. Ist dem so, dann kann man sich die Bewerbung auch schenken.
Lügen
Du hast erst einen neuen Arbeitsplatz, wenn Du den neuen Arbeitsvertrag auch unterschrieben hast.
Also, nehmen wir an, Du bewirbst dich auf eine offene Stelle. Es folgt das Erstgespräch, ein Zweitgespräch. Der Job ist interessant, Abwechslungsreich, … alles gut. Nur Du bist zu teuer. Okay, dann geht man mit seinem Gehalt um 700€ runter, weil Geld ist ja nicht alles.
Der Vertrag lässt auf sich warten. Einige Tage vergehen.
Dann muss es schnell gehen. Vor allem wegen der Kündigungsfrist deines aktuellen Arbeitsvertrags. Also schicken sie dir eine unterschriebene Version des Arbeitsvertrags per Mail.
Und dann steht im Arbeitsvertrag eine andere Firma drin. Eine Firma die du nicht kennst. Eine Firma, die Kununu nicht kennt. Eine Firma, die keine eigene Website hat.
Alle Alarmleuchten gehen an.
Du fütterst die KI mit den vorhandenen Informationen, du schilderst ihr was schon alles passiert ist, und bittest um eine Meinung. Die KI überlegt kurz, und kommt zu dem Ergebnis: Anhand der Faktenlage könnte es sich dabei um eine versteckte Arbeitnehmerüberlassung handeln. Ich solle kritisch und wachsam bleiben.
2.000km für nichts
Ich bin motiviert mir einen Job zu suchen. Dazu muss man auch mal Vor Ort sein. Also fährt man von Olching in den Landkreis Leer, übernachtet dort im neuen Haus, fährt dann morgens um 5:45 los nach Bremen – man fährt 1,5h wenn der Verkehr einen lässt.
Im nachhinein stellt sich heraus: Den Job gibt es gar nicht. Die Beteiligten haben das Bewerbungsgespräch üben wollen. Es ging nie um einen echten Job.
Einmal rauf und wieder runter fahren sind knapp 2.000km – für nix.
Bewerberportale
Bewerberportale sind Websites, die in erster Linie dafür da sind, Bewerber vom Unternehmen fern zu halten. Die Bewerbung läuft ins digitale Nirvana. Es braucht sich keiner kümmern. Und der Bewerber … der ist egal.
Richtig schlimm ist es, wenn ein Unternehmen ein Bewerberportal mietet. Also sprich: Das Unternehmen bezahlt einen Dienstleister dafür. Das erkennt man daran, das man sich plötzlich auf einer ganz anderen Domain befindet – und die Firmenwebsite weg ist.
Der Dienstleister macht dann wer weiß schon was mit meinen Daten, und das Unternehmen, bei dem ich mich bewerben wollte kriegt nichts mit.
Bewerberportale sind ein Ausdruck von größten Desinteresse. Wenn jemand meint, man soll das nutzen, dann könnt ihr euch die Bewerbung auch sparen. Da kommt nie eine Antwort. Und wenn die Stelle dann in zwei Wochen auf LinkedIn erneut ausgeschrieben wird, … ihr wißt Bescheid.
LinkedIn ist tot
Stellenanzeigen auf LinkedIn kann man vergessen.
Das sind alles Unternehmen, bei denen ich heute sagen würde: Gut, das ich da nirgens unterschrieben und angefangen habe.
Wenn mir heute jemand etwas vom „Fachkräftemangel“ erzählt, dann sollten wir erstmal im HR-Bereich mit dem ganz großen Besen durchkehren.
Persona Service
Ich habe bis hier her keine Firmennamen genannt. Absichtlich. Ich habe keine Lust auf Rechtstreitigkeiten. Die Chance sich öffentlich zu blamieren, verwehre ich den Unternehmen.
Bei Persona Service ist die Lage anders. Und das merkt ihr auch gleich, warum ich den Firmennamen hier so offen sage.
Persona Service, eine Zeitarbeitsfirma für die ich in der Vergangenheit schon mal gearbeitet habe, verfügt über eine eigene Website mit offenen Stellen. Klare Struktur. Adressen, Kontaktmail, alles da.
Auch dort habe ich mich beworben – ohne LinkedIn. Etwa 2h später erhielt ich per Mail die Aufforderung den Datenschutzrichtlinien, etc. zuzustimmen. Habe ich gemacht.
Eine Stunde später hatte ich einen Termin zum Kennenlernen. In der Zeitarbeit ist ein Termin zum Kennenlernen nicht unüblich. An dem Termin konnte ich aber nicht, weil ich zu diesem Zeitpunkt auf der Autobahn Richtung Norden war, um Termine in Bremen warzunehmen.
Ich konnte den Termin bei Persona Service mit wenigen Mausklicks selbst um zwei Tage verschieben. Online. Kein Problem.
Als der Termin stattfand, wurde ich schon erwartet. Es gab noch den üblichen Vorabfragebogen, Kaffee und Kekse.
Der Personaldisponent hat nicht nur meine Bewerbung gelesen, sondern er war wirklich sehr gut auf mich vorbereitet. Er traute sich sogar zu fragen, ob ich jener wäre, der diesen Blog hier schreibt, und mal FDP-Landtagskandidat war.
Sympathisch, offen, ehrlich.
Während des Gesprächs wurden viele Dinge abgeklopft. Dazu gehörte auch die Nachfrage, ob Persona meine Unterlagen Partnern vorlegen dürfe. Dürfen sie natürlich. Aber hier wurde bereits von Beginn an kommuniziert, das es da noch andere gibt, die da mal reinschauen, und wenn die interessante Stellen haben, das die sich dann bei mir melden dürfen.
Von Anfang bis Ende ist das so gelaufen, wie ich es von einem Profi erwarten würde. Dieser Profi sitzt in einem Büro in der Innenstadt vom Emden.
Vielen Dank für diese positive Erfahrung Persona Service / Emden.
