Kritiker entlarvt sich selbst

By | 21.3.2017

Es gibt Leute, die sind total von sich überzeugt. Dazu gehört offenbar auch ein Herr Vince Ebert. Ich kannte den bis gerade eben auch nicht. Ich habe heute einen Artikel von ihm gelesen – zum Thema Elektroauto.

Er behauptet, wir würden nicht genug Strom haben, sollten wir alle mit Elektroautos durch die Gegend fahren. In einem willkürlich gewählten Szenario stellt er folgende Sachlage zur Berechnungsgrundlage:

  1. Ab 2020 eine Million E-Autos in Deutschland
  2. Es gibt (theoretisch) eine moderne Schnellladeinfrastrukur bei der pro Ladestation 350 Kilowatt bereitstehen
  3. 10% der 1 Million Elektroautos sollen um 20:00 alle gleichzeitig laden = 100.000 Fahrzeuge
  4. Zusätzlich zum normalen Stromverbrauch brauchen wir dadurch 35.000 Megawatt mehr Strom
  5. Um das zu schaffen brauchen wir 23 Mittelgroße Kohlekraftwerke oder 35.000 Windkraftanlagen – oder 350 Quadratkilometer Fläche für Fotovoltaikanlagen

Ich gehe speziell auf diesen Teil ein. Der restliche Unsinn ist es nicht Wert kommentiert zu werden.

 

Punkt 1

Fakt ist, das wir 2020 keine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen haben. Insofern werden auch keine 100.000 Fahrzeuge gleichzeitig laden.

In dem Artikel behauptet er auch, Deutschland habe rund 60 Millionen „Verbrennungsmotoren“ auf der Straße. Das Kraftfahrtbundesamt weiß zu berichten, das es rund 60 Millionen KFZ-Kennzeichen gibt – davon 8,5 Millionen Anhänger … und keine Autos. Das Handelsblatt sprach 2012 noch von 43 Millionen PKW. Davon sind rund 4.500 Stromautos gewesen. 2013 waren rund 13.000 Stromer auf Deutschlands Straßen – sagt das Handelsblatt.

Gut, ich denke es ist klar, das weder 1 Million Elektroautos in Deutschland angemeldet sein werden, und schon gar nicht werden 100.000 E-Autos 2020 gleichzeitig laden.

 

Punkt 2

Falsch ist auch, das wir 100.000 Ladestationen haben. Wir haben in Wirklichkeit etwa 2500 – Bundesweit. 2014 waren es 2100. Inzwischen sind es sicher ein paar mehr. Und bis 2020 werden keine 100.000 Ladepunkte im Betrieb sein.

 

Punkt 3

Ich bin aber fair. Lassen wir diese Annahme mal so stehen – in dem Wissen, das es sachlich falsch ist. Ich nutze das aber gleich als Berechnungsgrundlage.

 

Punkt 4

Diese 35.000 Megawatt sind eine aus der Luft gegriffene Zahl. Sie hat in seinem Artikel praktisch keine rechnerisch nachvollziehbare Grundlage. Ich lasse dies aber als Berechnungsgrundlage mal so stehen. …. ihr merkt schon … das Dicke Ende wird spannend aufgebaut.

 

Punkt 5

Gut, also raus mit dem Taschenrechner.

Er behauptet, mach brauche für 35.000 Megawatt (kurz MW) 35.000 Windkraftanlagen die immer im Betrieb sind. Das ist natürlich falsch. Das würde ja bedeuten, das jede Windkraftanlage nur 1MW produziert. Onshore-Anlagen (also auf dem Land) schaffen 2-5 MW. Offshore-Windkraftanlagen (auf dem Wasser) schaffen bis zu 8MW. Wikipedia hilft manchmal.

  • 35.000 Anlagen x 2MW = 70.000MW
  • 35.000 Anlagen x 5MW = 175.000MW
  • 35.000 Anlagen x8MW = 280.000MW

Gut, also er liegt mit seiner Behauptung falsch.

Außerdem behauptet er, man brauche 23 mittele Kohlekraftwerke, um 35.000MW zu erzeugen. Um das klar zu stellen: „Mittelgroße Kohlekraftwerke“ gibt es nicht. Ein Kohlekraftwerk zeichnet sich durch die Anzahl der Kraftwerksblöcke aus. Die meisten haben zwei oder mehr. Ein Kraftwerksblock erzeugt eine Leistung von 1.000 bis 1.400MW pro Block. Die Leistung hängt dabei vom Alter des Kraftwerks ab, und die damit einhergehende technische Entwicklung bezogen auf den Wirkungsgrad.

Im schlechtesten Fall würde man also 7,5 Kohlekraftwerke benötigen, um 35.000 Megawatt Leistung zu erzeugen. Sachlich liegt Herr Vince Ebert, der angeblich Diplomphysiker ist, voll daneben.

In finde, der Mann sollte sich auf das Konzentrieren was er kann: Kabarett. Da fällt es nicht auf, das er keine Ahnung hat.

 

Realistische Einschätzung

Die oben genannten Angaben und Annahmen sind sachlich falsch. Daraus entsteht unweigerlich die Frage: Was ist richtig?

Richtig ist, das der Anteil der Elektromobilität auch weiterhin nur langsam wachsen wird. Und die Elektroautos sind in Summe für den jährlichen Mehrbedarf an Energie nicht Schuld. Dafür sind es einfach zu wenige.

Ich fahre ein Elektroauto. Ich besitze einen Renault Twizy. Und trotz dieses kleinen Stromflitzers haben wir eine stetig sinkende Stromrechnung. Warum? Weil man auch zuhause ein sinnvolles Energiekonzept umsetzen kann. Das Ergebnis ist ein sinkender Stromverbrauch – trotz neuer Stromverbraucher.

Das Stichwort ist „Effizienz“. Diesel und Benzin sind nicht effizient. Sie sind laut, dreckig und Klimaschädlich. Ein einigermaßen empfehlenswerten Artikel findet man dazu bei der SZ.

 

Fazit

Wenn wir über Elektromobilität, bzw. über Mobilität der Zukunft (siehe Airbus), sprechen, dann müssen wir uns an die Fakten halten. Das ist das einzige was ich mir wünsche. Wer das aus ideologischen Gründen nicht kann oder nicht will, ist kein geeigneter Diskussionspartner.

Wir sind die Generation der Veränderer. Und aus dieser Nummer kommen wir nicht raus. Das was viele von uns als „Zukunftsmusik“ beschreiben, ist längst die Gegenwart oder schon die Vergangenheit. Leute die „Zukunftsmusik“ hören, sind schon vor langer Zeit stehengeblieben und zurückgefallen. Und die Veränderergeneration wird nicht jeden mitnehmen. Die Kernfrage, die sich jeder stellen muss, lautet: Zu welcher Gruppe möchte ich gehören?

Wer zurückbleibt, wird zurückgelassen.